Die Kelten

Die Kelten

Das keltische Volk

Siedlung der Kelten Castro de Santa Tega Galizien

Die Kelten waren das mächtigste und einflussreichste Volk der Antike. Bereits viele Jahrhunderte vor der Entstehung des Römischen Reiches bevölkerten sie die antike Welt. Das keltische Volk hatte keine zentrale Regierung und bildete auch keinen einheitlichen Staat. Die zahlreichen Stammesverbände entsprangen keiner einheitlichen homogenen Gruppe und lebten über mehrere Länder verteilt. Dennoch identifizierten sich die Mitglieder dieser Stämme als Kelten. Obwohl sie weit über zahlreiche Länder verstreut lebten, kämpften sie Seite an Seite gegen Feinde und hatten eine gemeinsame Kultur. Sie sprachen eine überwiegend einheitliche Sprache, waren in Kunst und Kultur miteinander verbunden und hatten identische Sitten und Gebräuche. Keltische Stämme bevölkerten auf dem Höhepunkt ihrer Kultur Europa von Portugal, über Deutschland bis nach Osteuropa. Es gelang ihnen auch nach Italien, auf den Balkan und bis nach Kleinasien vorzudringen.

Ursprung und Verbreitung der keltischen Kultur

Keltische Völker entwickelten frühzeitig eine moderne Wirtschaftskultur. Sie betrieben nicht nur Viehzucht und Landwirtschaft, sondern waren auch im Metall- und Salzabbau tätig. Mit all diesen Gütern betrieben sie einen regen Handel und prägten noch dazu seit 400 v. Chr. ihre eigenen Münzen. Typisch für keltische Stämme war auch ihre talentierte Handwerkskunst. Sie töpferten Gefäße, webten Tücher und verarbeiteten Leder zu nützlichen Produkten. Keltische Erzeugnisse waren begehrte Handelswaren, die auch von Griechen und Römern geschätzt wurden.

Die keltische Kultur entstand im heutigen Frankreich. Durch die aktiven, überregionalen Handelsgeschäfte der keltischen Stämme, breitete sich ihre Kultur ab 1000 v. Chr. blitzschnell aus. Die indogermanischen Völker schätzten die talentierte Handwerkskunst der keltischen Stämme und ihre modernen Methoden des Ackerbaus und der Viehzucht. Im Laufe der Zeit integrierten sich die indogermanischen Völker in die Sprache und Lebensweise der keltischen Stämme. So entstand eine Vereinigung aus unterschiedlichen Völkern, die sich eine gemeinsame Religion, Kultur und Lebensweise teilten. Gemeinsam bildeten sie das keltische Volk.

Mit Einfallsreichtum und Geschick schafften es die Kelten, Nahrungsmittel durch Salz für längere Zeit haltbar zu machen. In der Zeit zwischen 1000 bis 800 v. Chr., gelang es ihnen, im österreichischen Hallstatt Salz abzubauen. Damit hatten sie die Grundvoraussetzung geschaffen, sich auf langen Reisen mit genügend Nahrungsmitteln zu versorgen. Aufgrund dieser bahnbrechenden Erfindung wird diese Zeitperiode auch Hallstattkultur genannt.

Die Entwicklung der keltischen Kultur in der Eisenzeit und Frühantike

In der frühen Eisenzeit, 800 bis 475 v. Chr., entdeckten die Kelten die Vorteile der Benutzung von Eisen, das im Gegensatz zum bisher benutzten Bronze härter und widerstandsfähiger war. Sie fingen an das Eisen zu bearbeiten und formten aus ihm stabile Werkzeuge, Waffen und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Durch den Handel mit Eisen kamen die keltischen Völker auch erstmals mit der griechischen Kultur in Kontakt. Bei den Griechen waren die keltischen Eisenwaren begehrt, und so entwickelte sich im Jahr 680 v. Chr. ein ausgeprägter Handel zwischen den Griechen und verschiedenen, in Frankreich ansässigen, Keltenstämmen. Handelsplatz für die Waren war die Stadt Marseille, zu dieser Zeit eine griechische Kolonie. Die griechische Kultur beeinflusste sowohl das kulturelle, als auch das religiöse Leben der keltischen Völker. Kunstwerke wurden nun deutlich mehr geschätzt und höher bewertet. Und durch den griechischen Einfluss beerdigten die Kelten jetzt ihre Toten in Grabkammern aus Holz und überschütteten sie mit Erde.

In den Jahrhunderten zwischen 500 bis 15 v. Chr. entfernten sich die keltischen Völker wieder von der griechischen Kultur. Diese Schlussfolgerung ziehen Archäologen aus den Funden, die in der schweizerischen Gemeinde La Tène bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Da hier eine neue Stilrichtung entstanden ist, wird die Zeit zwischen 500 bis 15 v. Chr. die La Tène-Kultur genannt.

Die Rolle der Kelten in der Völkerwanderung

Die keltischen Völker bauten ihre Handelsrouten etwa 400 v. Chr. über die Alpen bis an die Küste der Adria aus. Gleichzeitig stieg überall der Bedarf an neuem Lebensraum durch ein außergewöhnlich hohes und schnelles Bevölkerungswachstum. Große Bevölkerungsteile der keltischen Stämme im nördlichen Alpenbereiche setzten sich Richtung Italien in Bewegung, um neue Ländereien zu erkunden. Dort angekommen bevölkerten sie Landstriche bis in die Po-Ebene und die Toskana. Keltische Stammesvölker plünderten Rom im Jahr 390 v. Chr. Nachdem ihnen eine hohe Summe Lösegeld versprochen wurde, konnten sie zum Rückzug bewegt werden.

Der Untergang der Kelten

Die Auseinandersetzungen mit Rom häuften sich in den Jahren danach und führten zu mehreren blutigen Kämpfen. Obwohl sie mit Rom einen Friedensvertrag geschlossen hatten, verbündeten sich die keltischen Senonen mit den Etruskern und anderen Stämmen im Jahr 332 v. Chr. Die Völkergemeinschaft erlitt eine schwere Niederlage, als sie im Jahr 295 v. Chr. in einer entscheidenden Schlacht bei Sentium den Römern unterlag. Im Jahr 225 v. Chr. gerieten rund 70.000 keltische Soldaten bei Telamon in der Toskana zwischen zwei römische Legionen. In der Schlacht wurden fast alle keltischen Soldaten getötet und Rom gewann zunehmend an Macht.

Im letzten Jahrhundert v. Chr. setzte sich Rom endgültig gegen die keltischen Volksstämme durch und verdrängte sie aus Italien. Auf der Iberischen Halbinsel eroberte die römische Armee 133 v. Chr. unter der Führung ihres Feldherrn Scipio die keltische Festung (Oppidum) Numantia. Sie war die Hauptstadt und somit der Mittelpunkt aller keltischen Festungen (Oppida) auf der Halbinsel. Ein Dominoeffekt folgte und immer mehr Keltenstädte fielen in die Hände der Römer. Julius Cäsar führte einige berühmte Schlachten gegen die keltischen Völker. 52 v. Chr. kapitulierte und ergab sich der mächtige Keltenführer Vercingetorix, nachdem Cäsars Armee die Stadt Alesia erfolgreich belagert hatte. In Gallien und Britannien unterwarf Julius Cäsar mit seiner Armee die keltische Völkergemeinschaft und eroberte die Länder für Rom. Im Jahr 60 n. Chr. eroberten die Römer schließlich ganz Britannien. Auf heftigen Widerstand trafen sie aber immer noch auf der Isle of Man, in Wales, Irland und den Highlands in Schottland.

Eine erneute Völkerwanderung im vierten Jahrhundert n. Chr. zwang die Römer dazu ihre Streitkräfte aus Britannien abzuziehen, um Italien zu schützen. Durch den Abzug der Römer konnten die irischen Keltenstämme in den Süden Britanniens wandern und sich mit den dort ansässigen Keltenvölkern mischen. Eine neue Gefahr waren jetzt die keltischen Pikten aus Schottland, die den Süden Britanniens erobern wollten. Der walisische König Waltigan konnte die Pikten nur mit Unterstützung der Angelsachsen wieder verdrängen.