Keltische Siedlungen

Keltische Siedlungen in Deutschland

Keltenhügel Krautbühl Nagold keltischer Grabhügel

Etwa ab dem 5. und verstärkt zum Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. hin errichteten die Kelten entlang ihrer Handelsstraßen befestigte Oppida, städtische Siedlungen. Viele Überreste dieser Siedlungen lassen sich noch heute besichtigen, ein großer Teil davon liegt in Süd- und Mitteldeutschland. Die Oppida sind ein faszinierendes Zeugnis der Kelten in Deutschland.

Siedlungen in Rheinland-Pfalz

Bad Dürkheim
Im Wald in der Nähe von Bad Dürkheim befinden sich die Reste eines über zwei Kilometer langen Ringwalls, der sogenannten Heidemauer. Dieser Wall mit dazugehöriger Siedlung entstand vermutlich schon um 500 v. Chr. Die Bewohner handelten mit Keramik aus Griechenland und Oberitalien. Doch die Griechen veränderten ihre Handelsrouten, was dazu führte, dass die Kelten die Siedlung vermutlich schon nach 30 oder 40 Jahren aufgaben. Damit andere Stämme den Ringwall nicht nutzen konnten, legten die keltischen Bewohner diesen wieder nieder.

Bundenbach
Bei Bundenbach im Hunsrück liegt die keltische „Altburg“. Sie wurde im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. von den Treveren bewohnt. Die Altburg ist heute ein Freilichtmuseum. Die komplette Siedlung wurde rekonstruiert und beherbergt jährliche das größte Irish-Folk-Festival in Rheinland-Pfalz, das „Altburg-Festival“.

Donnersberg
Das Oppidum auf dem Donnersberg gehört zu den bedeutensten Entdeckungen zur Kultur der Kelten in Deutschland. Diese große Wallanlage mit einem Ost- und einem Westwerk beherbergt eine der seltenen Viereckschanzen, deren Funktion bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Außerdem scheint in der Siedlung Glas hergestellt worden zu sein.

Martberg
Auf dem Martberg zwischen Pommern und Karden befand sich ein Oppidum der Treverer, in dem Metall verarbeitet und Handel mit den Römern betrieben wurde. Nach Besiedlung der Römer wurde das Oppidum aufgegeben und nur der heilige Bezirk erhalten. Dieser Tempelbezirk, in dem der Gott Lenus Mars verehrt wurde, wurde rekonstruiert und kann neben weiteren Wiederaufbauten der keltischen Anlage besichtigt werden.

Die Kelten in Hessen und Thüringen

Dornburg
Im hessischen Dornburg liegt die Ruine eines Oppidums mit Ringburganlage. Dort wurden Münzen, Schmuck, Keramik und Eisengegenstände gefunden. Die eigentliche Anlage wurde leider durch den Basaltabbau zu großen Teilen zerstört.

Dünsberg
Auf dem Dünsberg bei Gießen befand sich eine keltische Ringwallanlage, deren drei Wälle als Reste erhalten sind. Es wird vermutet, dass dort etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. bis zu 2000 Menschen lebten und Eisenerz abbauten.

Heidetränk-Oppidum
In der Nähe der Stadt Oberursel im Taunus liegt das Heidetränk-Oppidum, das zu den bedeutenstenden Oppida in Europa zählt. Die Anlage erstreckt sie über eine Fläche von 130 Hektar über die beiden Bergrücken „Altenhöfe und „Goldgrube“. Zwei Ringwälle sind heute noch erkennbar. Weiterhin gab es dort zwischen dem 3. und 1. Jahrhundert v. Chr. sehr viele Wohnstätten, sodass die Siedlung den Charakter einer großen Stadt hatte. Gefunden wurden im Heidetränk-Oppidum Gerätschaften, Werkzeuge und Münzen, von denen einige wahrscheinlich sogar vor Ort geprägt wurden. Heute erinnert ein Rundwanderweg mit Schautafeln an die keltische Besiedlung.

Milseburg
Das Oppidum Milseburg im Landkreis Fulda war bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. Von der 35 Hektar großen Ringwallanlage ist heute nicht mehr viel erhalten. Beim Bau der Rhönbahn wurden große Abschnitte des Walls zerstört.

Steinsburg
Auf dem Kleinen Gleichberg im Süden Thüringens sind die Reste des Oppidum Steinsburg zu finden. Sie bestehen aus kurzen Stücken dreier großer Mauerringe, die den Berg umgaben. Alle Funde, die dort gemacht wurden, können im zugehörigen Steinsburgmuseum begutachtet werden.

Keltische Siedlungen in Baden-Württemberg

Heidengraben
Bei Grabenstetten auf der Schwäbischen Alb befinden sich die Überreste eines Oppidums, das im 1. Jahrhundert v. Chr. genutzt wurde. Heute ist davon noch ein Wall sichtbar. Die Siedlung hieß Elsachstadt und war von zwei Befestigungsringen umgeben.

Heiligenberg
Auf dem Heiligenberg bei Heidelberg errichteten die Kelten vermutlich sogar noch vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. eine Siedlung. Davon zeugen die Reste einer doppelten Ringwallanlage. Das Oppidum wurde zum Abbau und zur Verhüttung von Eisenerz genutzt und war in der Region ein wichtiges Zentrum.

Heuneburg
Eine der bekanntesten Fundstellen der Kelten in Deutschland ist die Heuneburg im Kreis Sigmaringen. Dieser keltische Fürstensitz aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. war von großen Außensiedlungen umgeben, in denen etwa 5.000-10.000 Menschen lebten. Vermutlich wurde aber erst ein Drittel der gesamten Anlage bisher ausgegraben. Bemerkenswert waren vor allem die Gräberfunde auf der Heuneburg.
Einige Gebäude wurden rekonstruiert und als Freilichtmuseum eröffnet. Außerdem gibt es einen archäologischen Lehrpfad und im nahen Hundersingen ein Heuneburgmuseum.

Ipf
Auf dem Gipfel des Ipf bei Bopfingen auf der Schwäbischen Alb wurden Befestigungsanlagen gefunden, über deren Ursprung und Alter man lange Zeit unsicher war. Funde reichen zurück bis in die Jungsteinzeit, stammen teilweise aber auch aus römischer Besiedlung. Die Anlage erlebte ihre Blütezeit jedoch vermutlich im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. als Verkehrsknotenpunkt der Kelten.

Tarodunum
Tarodonum bezeichnet eine spätkeltische Befestigung mit dazugehörender Siedlung im Schwarzwald. Die Befestigung war dreieckig angelegt, wurde vermutlich aber nie ganz fertig gebaut. Es könnte sich dabei um einen Zufluchtsort für Notzeiten gehandelt haben. Die Siedlung dagegen war bewohnt, es wurden Münzen hergestellt und Eisen verarbeitet.

Spuren der Kelten in Bayern

Manching
Das Oppidum von Manching war eine der größten Siedlungen der Kelten in Deutschland. Es entstand im 3. Jahrhundert v. Chr., erreichte im 2. Jahrhundert v. Chr. seine Blütezeit und war vermutlich der Hauptort der Vindeliker. In der Hochphase lebten im Oppdium von Manching, das 380 Hektar groß war, 5.000-10.000 Menschen. Es war eine wichtige Handelstadt, in der Glasarmringe und Glasperlen, Schmuck, Töpferwaren und Textilien produziert wurden. Es gab ein eigenes städtisches Münzsystem und eines für den überregionalen Handel. Innerhalb der Siedlung wurde Landwirtschaft und Viehzucht betrieben.
Das Oppidum verfügte über eine etwa 7,2 Kilometer lange Stadtmauer mit monumentalen Toren. Das Osttor wurde rekonstruiert und kann heute im Süden des Ringwalles besichtigt werden. Bekanntheit erlangten die Funde aus Manching. Darunter waren ein Goldmünzendepot mit 483 Muschelstateren der Boien und einem 217 Gramm wiegenden Goldklumpen, ein Kultbäumchen aus vergoldetem Holz und Bronze und eine Pferdeplastik aus Eisenblech.

Staffelberg
Auf dem Staffelberg in der Fränkischen Schweiz befinden sich Überreste eines Oppidums, von dem ausgegangen wird, dass es sich um die keltische Stadt Menosgada handelt. Tatsächlich wurde der Berg auf unterschiedlichen Höhen mehrmals von Kelten besiedelt. Die Anlagen lassen sich heute noch gut nachvollziehen und wurden teilweise rekonstruiert. Derzeit wird an der Rekonstruktion eines Tors gearbeitet, das Besucher nach Fertigstellung besichtigen können.