Keltische Landwirtschaft

Keltische Landwirtschaft und Ernährung

Zwischen Schwarzem Meer und Atlantik veränderten die Kelten als erstes Volk massiv ihre Umwelt durch landwirtschaftliche Nutzung. Aus üppigen Wäldern wurde im Laufe der Jahrhunderte eine Kulturlandschaft mit Feldern, Höfen und Siedlungen. Im ersten Jahrtausend v. Chr. war Europa noch fast vollständig von dichtem Wald bedeckt. In der mittleren Steinzeit, also etwa 5000 Jahre vor den Kelten, rodeten die sesshaft gewordenen Menschen bereits kleinere Waldstücke, um Ackerbau zu betreiben. Verglichen mit den Möglichkeiten der Eisenzeit aber gestatteten die Werkzeuge und Geräte der frühen Bauern keine Landwirtschaft in größerem Umfang. Das änderte sich mit der Fähigkeit der Menschen, Eisen zu verhütten. Jetzt gelang es den Bauern mithilfe haltbarer Metallwerkzeuge, auch solche Böden in fruchtbare Äcker zu verwandeln, an denen ihre Vorfahren gescheitert waren.

Kelten und Ackerbau

Vor der Eisenzeit benutzten die meisten Bauern Holzpflüge. Um sicherzustellen, dass der Boden vollständig umgepflügt wurde, mussten sie zweimal über das Feld gehen. Eine schwere, zeitraubende Arbeit, die nur einen bescheidenen Ertrag einbrachte. Die Entwicklung des Metallpfluges revolutionierte die keltische Landwirtschaft. Nun brach eine massive, starke und haltbare Pflugschar aus Metall die Scholle tief auf und wendete den Boden in einem Zug. Eine unglaubliche Erfindung. Nicht einmal die Römer hatten vergleichbare Pflüge.

Die keltische Landwirtschaft war anderen antiken Kulturen in vielerlei Hinsicht überlegen. So entwickelten die Kelten eine einfache Erntemaschine für Getreide; sie erfanden eine Reihe von Eisenwerkzeugen, betrieben Feldrotation und bewässerten ihre Felder höchst effektiv. Auch die Verwendung von künstlichem Dünger war der keltischen Landwirtschaft bekannt. Um den Ertrag ihrer Felder zu erhöhen, vermischten die Bauern den Dung ihrer Tiere mit Mergel oder Kalk. Küstenbewohner düngten ihre Felder mit Vogelkot und verwendeten Seegras zur Bodenverbesserung.

Was aber nutzt ein hoher Ertrag, wenn die Ernte im nächsten Unwetter verdirbt? Auch bei der Lagerhaltung erwiesen sich die Kelten als erfinderische Zeitgenossen. Für Getreide nutzten sie unterirdische Lager, Fleisch konservierten sie mit Salz. Nach der Erfindung der Töpferscheibe standen den Bauern und Händlern zudem praktische und leicht herzustellende Tongefäße zur Aufbewahrung und zum Transport ihrer Waren zur Verfügung.

Die Kelten ernährten sich hauptsächlich von Getreide. Auf den Feldern der Bauern wuchsen Dinkel, Emmer, Einkorn, Gerste, Hirse und der mit dem Weizen verwandte Aegilops. Wichtige pflanzliche Eiweißlieferanten waren darüber hinaus Hülsenfrüchte, etwa Erbsen, Linsen und Bohnen. Hinzu kamen Zwiebeln, Lauch, Kohl und Rüben. Der Lein, auch Flachs genannt, wurde als Faser- und Ölpflanze angebaut. Sogar Berauschendes hatte die keltische Landwirtschaft im Angebot: Schlafmohn. Bereits seit der Bronzezeit war die stimulierende Wirkung der Milch der Samenkapseln bekannt. Mohn schätzten die Kelten auch als Gewürz- und Ölpflanze.

Viehzucht bei den Kelten

Neben Ackerbau war Viehzucht die zweite Säule der keltischen Landwirtschaft und Ernährung. Die noch heute weit verbreiteten Hoftiere, Rind, Schwein, Schaf und Ziege dienten schon den Kelten als Milch-, Wolle- und Fleischlieferanten. Ochsen und Pferde zogen den schweren Pflug, Katzen reduzierten Ratten und Mäuse, Hunde waren Gefährten und Wächter. Gegen Ende der Laténe-Zeit kamen Hühner als Eier-, Feder- und Fleischlieferanten hinzu. In Hungerzeiten konnte wohl mit Ausnahme der Katze kaum eines dieser Haus- und Hoftiere davor sicher sein, nicht auch als Mahlzeit im Kochtopf zu landen.

So erfolgreich ihre Ackerwirtschaft auch war, so kläglich versagten die Kelten bei der Viehzucht. Im Laufe der Jahre wurden ihre Tiere immer kleiner. Das spricht in der Tat nicht für eine erfolgreiche, auf Zuwachs ausgerichtete Züchtung. Satt wurden die Kelten meistens trotzdem, zumal sie auch auf die Jagd gingen. Rotwild, Rehe, Wildschweine, Ure und Bären standen weiterhin auf ihrem Speiseplan, wenn auch nur noch zu einem geringen Teil. Ackerbau und Viehzucht waren deutlich wichtiger für die keltische Ernährung.

Keltische Ernährung

Das Essen der Kelten war nahrhaft und kann aus heutiger Sicht durchaus als schmackhaft bezeichnet werden. Aber verglichen mit heutigen Essgewohnheiten war die keltische Ernährung auch unglaublich eintönig. Von wenigen kulinarischen Highlights abgesehen, gab es jeden Tag im Grunde das gleiche Essen. Manchmal herrschte sogar Mangel. Besonders in den Wintermonaten konnte die Nahrung knapp werden und die Familie litt Hunger.

Getreide, Gemüse und Fleisch

Das Alltagsessen der meisten Kelten bestand aus Brot, Getreidebrei und Eintopf. Häufig kam Gerste auf den Keltentisch. Das Getreide ist sehr anspruchslos und gedeiht gut. Leider hat es nur einen geringen Anteil an Klebeeiweiß und eignet sich nicht gut zum Backen. Deshalb wurde Gerste zu Suppe und Brei verarbeitet. Für Brot und Gebäck wurden Dinkel und Emmer verwendet. Rüben, Kohl und Hülsenfrüchte landeten im Eintopf, manchmal zusammen mit Fleisch. Gewürzt wurde mit Kräutern, Salz, Nüssen, Öl und Honig. Aus der Milch ihrer Kühe und Schafe machten die Bauern Käse. Butter und Rahm waren Luxusgüter und damit den Reichen vorbehalten. Obst, etwa Äpfel, Birnen, Kirschen sowie Beeren bereicherten dagegen den Speiseplan aller Kelten.

Die keltische Ernährung war überwiegend vegetarisch. Fleisch tauchte zwar selten im Speiseplan der einfachen Leute auf, war aber heiß begehrt. Frisches Fleisch, meist Rinder-, Schweine- oder Schaffleisch, wurde über offenem Feuer gebraten oder in großen Kesseln gekocht. In den Küstenregionen und an Flüssen gab es zudem Fisch im Überfluss.

Der Kessel in der keltischen Küche

Zentrales Küchengerät der Kelten war ein großer Kessel, der über dem offenen Feuer hing. Es war die Aufgabe der Hausfrau, dafür zu sorgen, dass das Feuer ständig brannte. Der Kessel bestand manchmal aus Bronze, in wohlhabenden Haushalten aus Eisen. Größtenteils aber waren die Kochkessel aus Ton gefertigt. Um ein Zerspringen des Kochgeschirrs zu vermeiden, musste der Kessel immer mindestens zur Hälfte gefüllt sein. So brodelte praktischerweise ständig ein warmes Essen auf dem Feuer.

Keltische Getränke

Die Kelten stillten ihren Durst mit Wasser. In oberen Schichten gab es auch Milch oder importierten Wein. Warme Getränke gab es nicht: Allenfalls waren Kräutertees bekannt. Wahrscheinlich wurde Tee jedoch ausschließlich als Heilmittel eingesetzt.

Bier allerdings tranken die Kelten gern und viel. Das keltische Bier ist mit heutigen Bieren nicht zu vergleichen. Wahrscheinlich schmeckte es säuerlich-rauchig und war mit Honig versetzt. Gebraut wurde es, wie heutige Biere auch, mit Gerste. Aus Trauben gewonnener Wein musste aus den Mittelmeerländern importiert werden und war entsprechend teuer. Die Kelten selbst stellten schmackhaften Honigwein her. Dieser, wie auch das keltische Bier, durfte bei keinem Festgelage fehlen. Bier und Met genossen bei den Kelten ein so hohes Ansehen, dass sie diese Getränke ihren Verstorbenen als Wegzehrung fürs Jenseits mit ins Grab gaben.