Keltische Ausgrabungen

Bedeutende archäologische Funde der Kelten in Europa

Ruinen einer Kelten Siedlung in Irland

Die Kelten waren ein Volk, das vor über 2000 Jahren weite Teile Europas besiedelte. Der Schwerpunkt ihrer Siedlungen lag im heutigen Süddeutschland, Ostfrankreich und der Schweiz. Da die Kelten keine schriftlichen Dokumente ihrer Kultur hinterließen, liegt auch heute noch vieles über deren Gewohnheiten und Lebensweise im Dunklen. Wertvoller Lieferanten von Informationen zum Leben der Kelten liefern Ausgrabungsstätten in ganz Europa.

Keltensiedlung mit Fürstengräbern in Heuneburg

Heuneburg an der Donau war eine der ältesten und größten Siedlungen der Kelten. Das Areal der Stadt, die früher den Namen "Pyrene" trug, erstreckte sich über ungefähr 100 Hektar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 5000 Menschen hier lebten und arbeiteten.

Vermutlich liegen im Erdreich Europas viele unentdeckte Keltensiedlungen verborgen. Das Problem ist vielerorts, dass alte Siedlungen von neuen überbaut wurden. Ganz anders bei der Heuneburg, sie ist eine wahre Schatzkammer archäologischer Funde und brachte viele neue Erkenntnisse um das immer noch geheimnisumwitterte Volk.

Anfangs hat es sich bei Heuneburg wohl nur um eine Ansammlung einiger Bauernhöfe gehandelt. Nach 620 v. Chr. wuchs die Siedlung zunehmend. Eine Burg wurde errichtet und um sie herum entstand eine ganz Stadt sowie ein wichtiger Fürstensitz. Zahlreiche prunkvolle Fürstengräber wurden bei Ausgrabungen gefunden. Die meisten dieser Gräner wurden jedoch irgendwann in der Zeitgeschichte bereits von Grabräubern verändert und geplündert.

2010 gelang es den Archäologen der Heuneburg erstmals ein Grab auszuheben, das unversehrt war. Das komplette Erdreich um das Grab wurde ausgehoben und in ein Speziallabor im Baden-Württembergischen Luswigsburg gebracht. In akribischer Kleinstarbeit und mit der Unterstützung eines Computertomographen wurde der Fund Schicht für Schicht freigelegt. Die Untersuchungen ergaben das Grab einer Frau aus der Zeit des 6. Jahrhunderts vor Christus und die prunkvollen Grabbeilagen zeigten eindeutig die letzte Ruhestätte einer Fürstin an. Bei ihrem Tod war sie etwa 30 Jahre alt.

Ein ganz besonders außergewöhnliches Fundstück stellt eine bronzene Pferdemaske mit reichen Verzierungen dar. Derlei Stirnpanzer für Pferde sind bisher nur aus Sizilien bekannt. Immer wieder finden die Wissenschaftler im Umfeld der Keltenkultur Dinge, die es dort eigentlich gar nicht geben dürfte. Dennoch sind sie gleichzeitig wertvolle Hinweise auf die reichen Kontakte und Handelsbeziehungen der keltischen Bevölkerung.

Das Grab und seine Beigaben sind ein wichtiger Bestandteil der Rekonstruktion der keltischen Sozialgeschichte. Neben Alltagsgegenständen fanden die Archäologen im Grab der Fürstin einen üppigen Schatz aus Gold und Bernstein. 150 wertvolle archäologische Funde konnten die Forscher katalogisieren und bestätigten der Dame posthum "eine Frau von Welt" gewesen zu sein, von Kopf bis Fuß reich geschmückt. Ein Rätsel ist den Wissenschaftlern noch die rund 20jährige Frau, die neben der Fürstin bestattet wurde. Möglicherweise ist sie eine Dienerin gewesen, die der Fürstin in den Tod folgte.

Das Fürstinnen-Skelett sowie die wertvollen Grab-Beigaben sind seit 2012 in der Kelten-Ausstellung in Stuttgart zu sehen. Weitere archäologische Funde und interessante Dokumente zum keltischen Alltagsleben zeigt das Keltenmuseum Heuneburg.

Der Keltenschatz von Manching

Der größte Goldfund aus der Keltenzeit wurde ganz in der Nähe von Ingolstadt gefunden. In der kleinen Gemeinde Manching lag eine ehemalige keltische Siedlung, die heute als die am intensivsten erforschte in ganz Europa gilt. Hier in Manching arbeiten die Archäologen und Wissenschaftler immerhin schon seit 50 Jahren.

1999 gelang ein ganz besonderer Fund: eine Schatz von 483 Münzen sowie einem etwa 200 Gramm schweren Goldklumpen. Der Schatz von Manching gilt als der größte Goldfund aus der Keltenzeit.

Manching lag zur damaligen verkehrtechnisch optimal. Die rund 380 ha große Siedlung, die im Fachjargon auch als "Oppidum" bezeichnet wird, lag an einem alten Arm der Donau und bot somit einen geschützten Zugang zu einer der wichtigsten Wasserstraßen Europas. Die Funde in Manching zeigen den Status als frühzeitliche Handelsmetropole. Importiert wurden Wein und Fischsaucen, edles Bronze-Geschirr sowie Glaswaren aus dem Mittelmeerraum.

Etwa 300 Jahre dauerte die keltische Besiedelung in Manching. Der erst jüngst entdeckte Goldschatz ist nicht die einzige Überraschung dieser Art gewesen. Bereits 1936 wurde hier ein großer Silberschatz gefunden. Beide Funde werden ins 2. und frühe 1. Jahrhundert v. Chr. datiert. Wie und warum die Schätze vergraben wurden, ist bis heute nicht bekannt. Ebenso wenig, warum die Siedlung aufgegeben wurde. Da kaum schriftliche Zeugnisse der Kultur hinterblieben sind, bleibt vieles im Bereich der Spekulationen.

Möglich, dass es sich um eine rituelle Opfergabe handelte oder die Gold- und Silbermünzen einfach nur aus Sicherheitsgründen versteckt werden sollten. Weitere Theorien und archäologische Funde unterstreichen die These, Manching sei ein Münzprägezentrum gewesen. Der mit dem Goldschatz gefundene Goldklumpen könnte darauf hinweisen, ebenso wie gefundene Gussformen für Münzen sowie eine Art Prägestempel.

Die Siedlung in Manching muss für damalige Verhältnisse imposant gewesen sein. Florierender Handel und vermutlich auch eine große Viehzucht weißen darauf hin, dass Manching ein frühes Wirtschaftszentrum und der Sitz Einflussreicher Fürsten gewesen ist. Um ca. 150 v. Chr. ließen diese eine gewaltige Stadtmauer mit monumentalen Toranlagen errichten. In den folgenden Jahren wurde die Mauer zwei weitere Male verstärkt und erweitert. Ob man sich in Manching vor einfallenden Feinden schützen wollte oder die Befestigung reinem Prunk dienen sollte, ist nicht mehr beweisbar. Der Goldschatz und viele weitere Fundstücke der Region sind im "Kelten Römer Museum Manching" ausgestellt.

Keltensiedlung Oberleiserberg in Österreich

Etwa 50 km nördlich von Wien, nahe der Ortschaft Ernstbrunn und der tschechischen Grenze befindet sich die ehemalige Keltensiedlung Oberleiserberg. In einer über 20 Jahre währenden Arbeit wurde die Geschichte der letzten 6000 Jahre ans Tageslicht befördert. Die Besiedlung des Oberleiserberg begann etwa ab der Jungsteinzeit ab 4500 v. Chr.

Der Oberleiserberg und seine Fundstücke gehören zu den wichtigsten Zeugnissen keltischer Kultur in Österreich. Von den mehr als 100.000 Fundstücken der typisch keltischen Höhensiedlung reichen die meisten in die Zeit der "Latènekultur" hinein. Die Latènekultur unterteilt sich in drei Epochen: die "Frühlatène" begann um ca. 480 v. Chr., die "Mittellatène" dauerte von 300 bis 150 v. Chr. und die "Spätlatène" endete um 50 v. Chr.

Gefunden haben die Archäologen mehr als 2000 metallene Gegenstände, Glas und Schmuck. Den größten Bestandteil der Fundstücke am Oberleiserberg machen jedoch keramische Fragmente aus. 25000 bis 30000 Tausend Stücke konnten geborgen werden. Zudem wurden zehntausende Tierknochen und Pflanzenreste gefunden. Letztere gaben einen interessanten Einblick in die Ernährung der Kelten. Diese bestand hauptsächlich aus Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse wie Löwenzahn, Zwiebeln, Brennesseln, Sellerie und Kohl.

Weitere bedeutende archäologische Fund- und Ausgrabungsstätten der Kelten sind die Siedlung und das Fürstengrab bei Glauberg in Hessen, das Oppidum Hrazany in Tschechien sowie das französische Bibracte.