Keltische Mythologie

Keltische Mythologie

Wir alle kennen die keltische Mythologie, jedenfalls zum Teil. Vielleicht haben wir bereits als Kinder irischen Sagen und Erzählungen gelauscht, denn auch diese sind ein Teil der keltischen Mythologie. Doch was ist sie genau und welche Mythen und Erzählungen beinhaltet sie?

Die Mythologie der Kelten ist ein Sammelbegriff, der von Literaturwissenschaftler und Religionswissenschaftler stammt, um den Sagen und Erzählungen der Kelten einen Überbegriff zu geben. Diese Legenden, Sagen und Erzählungen reichen von der Periode vor ihrer Christianisierung bis in das christliche Mittelalter. Man darf diese Mythologie jedoch nicht mit der keltischen Religion verwechseln, denn hierbei handelt es sich um etwas vollkommen anderes. Die keltische Religion wiederum umfasst Riten, Zeremonien und Institutionen zu den einzelnen Göttern und/oder den Anlässen, die man den Verstorbenen einst widmete. Dies bezieht sich selbstverständlich ebenfalls auf die Zeit vor der Christianisierung.

Man findet kaum schriftliche, direkte Quellen für die Mythologie der Kelten in der antiken und vorgeschichtlichen Zeit. Die Berichte und Erzählungen der vorchristlichen Periode erfolgte nur durch eine mündliche Überlieferung. Informationen geben uns vor allem die Berichte von römischen und griechischen Autoren sowie die Aufzeichnungen christlicher Mönche der Britischen Inseln. Diese wurden jedoch sehr viel später erfasst. Ein klares Bild wird unter anderem daher erschwert. Zu erkennen ist daher, dass es für den keltischen Raum mit großer Sicherheit keine einheitliche Mythologie oder einheitliche Traditionen gab. Die Mythen stehen nur zu einem sehr geringen Teil miteinander im Einklang.

Überlieferungen und Ursprünge

Es gab keine kulturelle oder politische Einheit der Kelten. Aus diesem Grund ist es wohl auch nur logisch, dass es auch keine mythologische Einheit gab. Die keltische Mythologie war regional sehr unterschiedlich geprägt. Aufgrund von mündlichen Erzählungen der Frühzeit muss man sich eingestehen, dass alles, was wir heute wissen, sehr lückenhaft ist.

Wir alle kennen das: Man erzählt eine Geschichte weiter und weiter. Nachdem man sie einigen Personen erzählt hat, verändert sie sich. Oftmals so stark, dass sie mit der Ursprungsgeschichte praktisch nichts mehr zu tun hat. So müssen wir es auch mit den Berichten und Erzählungen der Kelten sehen. Einige Dinge werden mit Sicherheit verdreht und verändert worden sein und mit ihren Ursprung nichts mehr zu tun haben. Zudem kommt hinzu, dass das schriftliche Festhalten der Mythen damals unter den Druiden stark verpönt war. Das Wissen sollte nicht für alle Menschen frei zugänglich sein.

Erst durch die römischen und griechischen Gelehrten kam es zu schriftlichen Aufzeichnungen der keltischen Mythen. Dazu muss man jedoch sagen, dass diese stark vom jeweiligen Götterbild des Autors abhängig sind. Sie interpretierten die Mythen auf ihre Art und Weise und bedienten sich dabei natürlich ihren eigenen Vorstellungen.

Heute finden wir auch viele Aufzeichnungen der Britischen Inseln, die aus dem frühen Mittelalter stammen. Diese wurden von britischen und irischen Mönchen aufgesetzt. Oftmals stammten diese Mönche zwar noch von den Druiden ab und hatten daher eine sehr enge Beziehung zu ihren Mythen, dennoch sind auch diese Aufzeichnungen durch ihre mittlerweile christliche Sichtweise etwas verändert. Dennoch versuchte die “heidnische Kultur” die alten Traditionen und Legenden so gut es geht zu bewahren.

Die keltische Mythologie und die Anderswelt

Ein wesentlicher Teil der keltischen Mythologie ist die Anderswelt, die auch einfach als “die andere Welt” bezeichnet wird. Auch heute kennen wir sie in unseren Traditionen und Religionen: das Jenseits.

Doch bei den Kelten war die Anderswelt nicht unbedingt für die Verstorbenen gedacht. Sie sahen sie als andere Ebene an, in denen es mystische Wesen gab. Diese Welt ist direkt neben unserer Welt und wird nur durch einen dünnen Schleier voneinander getrennt. Man bekommt den Zugang beispielsweise durch bestimmte Höhlen oder oftmals auch durch Nebel (zum Beispiel die Legende von Avalon), doch Normalsterblichen ist dieser Zugang üblicherweise verwehrt. Nur unter bestimmten Bedingungen ist es einem Sterblichen erlaubt, in die andere Welt zu gelangen.

Interessant ist auch der Aspekt, dass sich die Schleier dieser zwei Welten (also unserer Welt und der, der Anderswelt) einmal im Jahr lüften: zu Samhain. An Samhain gedachten die Kelten (oder zumindest bestimmte Stämme) ihren Toten und all den Wesen, die sich in der Anderswelt befanden. Anders, als heute wurde das Fest jedoch nicht am 31. Oktober gefeiert (unser heutiges Halloween), sondern am 11. Schwarzmond, der nach der Wintersonnenwende folgte. Das Datum variierte also von Jahr zu Jahr. Man ging davon aus, dass es um diese Zeit eine ganz spezielle Energie gab, die es einem erlaubte mit den Verstorbenen in Kontakt zu treten, aber auch mit anderen Wesen. Es war die Zeit des Hellsehens, der magischen Träume und der Rituale.

Bei den Kelten gab es keine wirkliche Vorstellung über den Tod bzw. ein Leben nach dem Tod. Es gab kein Totenreich, in dem die Menschen ewig weiterlebten, denn die Kelten glaubten an bestimmte Zyklen und das Jahresrad. Auch an eine Bestrafung oder Belohnung im Jenseits glaubten sie nicht. Verehrt wurde die Natur und ihr immer wiederkehrender Zyklus.

Die Legende um König Artus

Wenn wir an keltische Mythologie denken, denken wir mit Sicherheit auch an die Sage um König Artus. Diese leitet sich tatsächlich von alten keltischen Überlieferungen ab. So wie sie heute nacherzählt wird, wurde sie erstmals von Geoffrey von Monmouth im 12. Jahrhundert niedergeschrieben.

Artus gilt als der Sohn von König Uther Pendragon und Ygraines. Ermöglicht wurde seine Zeugung erst durch Merlin und seinem Zauber. Merlin trennt ihn jedoch sofort nach der Geburt wieder von seinen Eltern und bringt ihn zu einer Pflegefamilie, die über seine tatsächliche Herkunft nichts weiß.

Nach dem Tod von Uther zerfällt auch das Königreich, da sich die Fürsten untereinander stritten. Merlin erschafft nun das Schwert “Excalibur”, das in einem Stein gefangen ist und nur der rechtmäßige Herrscher von Britannien zu ziehen vermag. Wie es die Geschichte so will, führt das Schicksal Artus selbstverständlich zu dem Schwert und am Ende auch auf den Thron. Mit seinem Zauberschwert versammelt er eine Ritterschar um sich, die zur Tafelrunde wird, die übrigens ebenfalls von Merlin erschaffen wurde. Weshalb das Ganze? Selbstverständlich um das Reich zu verteidigen!

Wenig später heiratete Artus die schöne Gwenwhyfar, die ihm jedoch keine Kinder schenken konnte. Unwissentlich zeugt Artus mit seiner bösen Halbschwester “Morgan Le Fay” einen Sohn namens Mordred. Die Ritter der Tafelrunde wiederum widmen sich der Suche nach dem “Heiligen Gral”, weshalb die Tafelrunde am Ende langsam zerfällt. Durch Artus Sohn werden auch die übrigen Ritter entzweit, es kommt zum Bürgerkrieg.

Am Ende wird Mordred von Artus getötet, doch auch er verletzt den König tödlich. Der König wird nun von drei Feen auf die sagenumwobene Insel Avalon gebracht, welche in der Anderswelt zu finden ist. Der Legende nach wird Artus eines Tages zurückkehren, wenn ihn sein Volk am meisten brauchen wird - wir sind gespannt!