Kelten und Römer

Kelten und Römer

Kelten und Römer

Römische Helme während eines Mittelalter Events

Kelten und Römer standen in einer äußerst wechselseitigen und ambivalenten Beziehung zueinander. Diese war geprägt von Krieg und Frieden und für beide Völker von entscheidender Bedeutung. Das junge Rom erlitt durch die keltischen Krieger ein regelrechtes Trauma, das noch lange die Politik des späteren Imperiums bestimmen sollte. Nach und nach geriet die keltische Welt jedoch in die Hand der Römer und schließlich vermischten sich die beiden großen Kulturen. Das wiederum bildete in vielerlei Hinsicht die kulturelle Grundlage für das moderne Europa.

Brennus – ein römisches Trauma

Im 4. Jahrhundert v. Chr. war Rom eine aufstrebende Regionalmacht, deren Expansionspolitik bis dahin allerdings vergleichsweise defensiver Natur war. Der jungen Republik ging es tendenziell eher um die Abwehr von potentiellen Gefahren als um das Unterwerfen ganzer Völker und dem Errichten eines Imperiums.

Im Jahre 387 v. Chr. trafen sie auf die in Italien einfallenden Krieger des keltischen Stammes der Senonen unter ihrem Heerführer Brennus. In der Schlacht an der Allia wurden die Römer mit ihrem Heer von gut 40.000 Mann geschlagen. Anschließend zogen die Kelten direkt nach Rom, plünderten und brandschatzten die Stadt und zogen erst nach Zahlung einer großen Lösegeldsumme wieder ab. Angeblich warf Brennus sein Schwert in die Waagschale, mit der das Gold der Lösegeldzahlung gewogen wurde, als die Römer sich über einen vermeintlichen Betrug beschwerten und sprach dabei die geflügelten Worte: „Wehe den Besiegten“ (lateinisch: „Vae Victis“).

Ob diese Anekdote nun tatsächlich so geschehen ist oder nicht – sie drückt in jedem Fall die Erschütterung der Römer aus. Die Eroberung und Zerstörung der Stadt brannte sich tief in ihr Gedächtnis ein und wurde zu einer Art kollektiven traumatischen Erfahrung. Die Folge war eine tiefsitzende Furcht vor den keltischen Kriegern und allgemein vor den (aus römischer Sicht) Barbaren aus dem Norden. Das allerdings führte zu einer Änderung in der Expansionspolitik Roms. Fortan bekam die vollkommene Unterwerfung der Nachbarvölker eine größere Bedeutung, um solch eine Katastrophe künftig zu verhindern.

Die römische Eroberung der keltischen Welt

Rom erholte sich sehr rasch von seiner großen Niederlage und expandierte. Durch den Vormarsch nach Süden, insbesondere nach Sizilien, geriet die römische Republik mit dem damals mindestens ebenbürtigen Karthago in Konflikt. Während des zweiten punischen Krieges, bei dem sich die Römer gegen den berühmten Hannibal erwehren mussten, kam es im Jahre 203 v. Chr. zu einer Eroberung der von Kelten besiedelten Po-Ebene im Norden Italiens. Außerdem eroberte Rom während des Krieges die iberische Halbinsel (Spanien), auf der ebenfalls Kelten siedelten. Ab 125 v. Chr. gingen die Römer dazu über, die Mittelmeerküste sowie das Rhônetal zu erobern und errichteten 121 v. Chr. die Provinz „Gallien jenseits der Alpen“.

Das von den Kelten bewohnte Gallien wurde schließlich von Julius Cäsar erobert, der sich dabei geschickt die innergallischen Feindschaften und Konflikte zunutze machte. Mit der siegreichen Schlacht um Alesia 52 v. Chr. gegen die unter Vercingetorix vereinten aufständischen Gallier wurde Gallien endgültig zur römischen Provinz.

Im Jahre 43 n. Chr. wurde auch das von Kelten bewohnte Britannien von den Römern erobert. Es folgten zwar lange Auseinandersetzungen mit vielen Aufständen der Kelten, wie etwa durch die berühmte keltische Kriegerin Boudicca, jedoch blieb der Großteil der keltischen Welt auch in Großbritannien Jahrhunderte lang unter römischer Herrschaft. Lediglich in Schottland und Irland gerieten die Kelten nicht unter den Einfluss der Römer.

Die Kelten siedelten in weiten Teilen Europas und waren somit praktisch die direkten Nachbarn Roms. Die Beziehung der Kelten und Römer zueinander besteht letzten Endes darin, dass nahezu die komplette keltische Welt in langen, blutigen Kämpfen von den Römern erobert und zur römischen Provinz gemacht worden ist. Während dieses langen und alles andere als einheitlichen oder auch nur geplanten Prozesses gab es natürlich auch Bündnisse und ein friedliches Zusammenleben. Charakteristisch war jedoch die kriegerische Auseinandersetzung zwischen beiden Völkern – was angesichts der fast kompletten Eroberung der keltisch besiedelten Gebiete durch die Römer wohl äußerst deutlich zu Tage tritt.

Die Vermischung der Kulturen

Unter römischer Herrschaft kam es schließlich zu einer Vermischung der Kulturen. In den römischen Provinzen gab es unterschiedliche Grade an Romanisierung. Die Römer zwangen den von ihnen besiegten Völkern zwar durchaus auch ihre Kultur auf, jedoch nicht in einem absoluten Sinne. Die Sitten und Gebräuche der unterworfenen Völker wurden diesen im Grunde so weit komplett gelassen, wie sie dem römischen Herrschaftsanspruch nicht im Wege standen. Ein anderer Punkt war schlicht und ergreifend der Grad der kulturellen Entwicklung. Da die Kelten über keine hochentwickelte Schriftkultur verfügten, war der kulturelle Einfluss der Römer in den ehemals keltischen Gebieten weitaus höher als etwa in den östlichen, griechisch geprägten Provinzen. In Gallien bildete sich die sogenannte gallorömische Kultur heraus. Dazu gehörte auch die Vermischung der Sprachen: Die neue Amtssprache Latein vermischte sich mit der gallischen Sprache. Diese Mischung war die Grundlage für das heutige Französisch.

Römische Kelten

Ein weiterer Hauptaspekt der Romanisierung besteht in den Bauwerken. Dazu gehörte zunächst einmal auch schlicht Infrastruktur, allen voran das römische Straßennetz. Im Gegensatz zu den Naturwegen der Kelten waren die befestigten, gepflasterten Straßen der Römer weitgehend unabhängig vom Wetter nutzbar. Außerdem wurde mit dem Bau von Aquädukten die Wasserversorgung verbessert. Darüber hinaus gab es in den Städten viele öffentliche Gebäude wie Thermen oder die berühmten Amphitheater.

Die Kelten im besetzten Gallien wurden so mehr oder weniger zu Römern. Im Laufe der Zeit erhielten sie das römische Bürgerrecht und es gab schließlich auch eine ganze Reihe von gallische Senatoren. Ökonomisch und kulturell erlebten die nunmehr römischen Kelten eine regelrechte Blütezeit. In Britannien vermischten sich die Kulturen auf ähnliche Weise, wobei es wohl regional große Unterschiede gab. Nach dem Abzug der Römer bildeten sich zwar wieder mehrere keltische Königreiche, jedoch blieb der kulturelle Einfluss Roms bestehen.

Kelten und Römer – zwei kulturelle Grundlagen Europas

Die Geschichte der Kelten und Römer zeichnet sich also primär durch den Krieg aus. Einst war der Großteil Europas von den Kelten besiedelt, dann war ein Großteil Europas Teil des römischen Imperiums. Natürlich lieferte vor allem das Imperium Romanum mit seinen Straßen und vor allem dem römischen Recht Grundlagen für das moderne Europa. Allerdings darf der kulturelle Einfluss der Kelten nicht unterschätzt werden. Nicht nur in den heutigen sogenannten keltischen Nationen, sondern auch in den römisch-keltischen Kulturbereichen. Davon zeugt nicht zuletzt die französische Sprache.