Keltische Ausstellungen

Zeugnisse einer Hochkultur: Keltische Museen und Ausstellungen in Europa

Die Kelten waren ein uneinheitliches Volk, das in der Eisenzeit große Teile des heutigen Europas besiedelte. Der Herrschaftsraum der zahlreichen Keltenstämme reichte von West- über Mittel- und Südeuropa bis hin zu Kleinasien. So mächtig und einflussreich die Kelten seinerzeit auch waren, so "schreibfaul" waren dessen Stämme andererseits. Was wir von ihnen heute wissen, setzt sich einerseits aus den spärlichen antiken schriftlichen Überlieferungen zusammen, vor allem die der Römer, andererseits aus den unzähligen archäologischen Funden sowie den Ergebnissen sprachwissenschaftlichen Forschungen zusammen.

Unsere Wissenslücken von den Kelten sind dennoch groß und werden trotz des wissenschaftlichen Eifers nur langsam geschlossen. Umso wichtiger ist vor diesem Hintergrund, dass sich keltische Museen oder keltische Ausstellungen unsere Erinnerung an Geschichte und Kultur, das Leben der Kelten im Großen und Kleinen wachhalten. Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Museen in Europa, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das untergegangene Volk dem Vergessen zu entreißen.

Keltisches Museen in Östereich: Keltenmuseum Hallein

Eines der größten der keltisches Museen ist das Keltenmuseum Hallein. Die Einrichtung in der namensgebenden österreichischen Stadt hat sich der Aufgabe verschrieben, nicht nur über Geschichte und Kultur der Kelten zu informieren, sondern die Lebenswelt des Volkes auch unmittelbar erlebbar zu machen. Mittels begehbarer Stollen aber auch durch Einblicke in Grabkammern können die Besucher die untergegangene Zivilisation hautnah erleben. Zu den ausgestellten Exponaten gehören Zeugnisse der keltischen Goldschmiede- und Handwerkskunst, aus der die 2.500 Jahre alte, kunstvoll verarbeitete, mit Tieren und Dämonen verzierte keltische Schnabelkanne als Highlight herausragt. Weiterer Höhepunkt der Ausstellung sind Grabstätte und Grabesausstattung eines keltischen Stammesführers, der im 5. Jahrhundert vor Christus lebte und auf einem zweirädrigen Streitwagen bestattet wurde.

Die Geschichte der Kelten erlebbar gemacht wird auch mit dem Nachbau eines Keltendorfs am Dürrnberg. Das zum Keltenmuseum Hallein gehörende Keltendorf Salina besteht aus den Modellen von Wohnhäusern und Werkstätten einer latènezeitlichen Siedlung, die veranschaulichen, wie die Kelten hier vor rund 2.500 Jahren lebten und nach dem "weißen Gold", dem Salz also, schürften. In den einzelnen Gebäuden von Salina befinden sich ferner zahlreiche Kopien von Originalfunden, die das Bild vom Leben des Urvolkes vervollständigen. Wem die Tuchfühlung mit den nachgebildeten Objekten nicht genügt, der hat die Möglichkeit, sich im Eingangsgebäude des Keltenmuseums anhand von Filmen und Schaukästen über die archäologische Ausgrabungen und die Forschungsergebnisse zur Siedlungsgeschichte der Kelten am Dürrnberg zu informieren.

Deutschland: Keltenwelt am Glauberg

Vergangenheit und Zukunft verbindet sich auf einzigartige Weise in der Keltenwelt am Glauberg in Hessen. Die Einrichtung ist Ort für Kulturpflege auf der einen Seite und Forschung auf der anderen. Das macht die Einrichtung so besonders unter den keltisches Museen europaweit. Die Verknotung von Gestern und Heute äußert sich hier schon rein äußerlich durch den futuristisch-kubischen Bau, in dessen Inneren die Schätze einer vergangenen Kultur gehütet werden. Das Museum zeichnet sich durch eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen aus, wobei beide Ausstellungsformen sich hauptsächlich auf Geschichte, Kultur und Kunst der Kelten konzentrieren.

Die Dauerausstellung der Keltenwelt am Glauberg zeigt die Originalfunde der hessischen Landesarchäologie, darunter die lebensgroße Statue eines Keltenfürsten sowie Schmuck und Waffen. Sonderausstellungen hat es seit Eröffnung des Museums im Mai 2011 einschlägigen Quellen zu Folge zwei an der Zahl gegeben. Die 2017 gezeigte Schau „Mahlzeit“ hatte die „Ernährung bei den Kelten“ zum Thema, während die ein Jahr später veranstaltete Ausstellung „Mythos Kelten?“ sich auf die Spurensuche der Kelten in Europa begeben hatte. Außerhalb des Museumsgebäudes der Keltenwelt am Glauberg befindet sich ein archäologischer Park, in dem die Besucher durch die Relikte des keltischen Lebens am Glauberg geführt werden.

Kelten-Römer-Museum in Manching

Eine Sonderstellung unter den keltischen Museen und keltischen Ausstellungen genießt das Kelten-Römer-Museum im oberbayerischen Manching. Der Name des Museums ist Programm, ihre Dauer- und Sonderausstellung kreisen um die Kulturen der Kelten und Römer. In der Kelten-Sparte werden die Funde ausgestellt, die man in einer keltischen Großsiedlung in der Nähe des heutigen Manching ausgegraben hat. Dazu zählt auch der 1999 entdeckte Schatz aus 450 Goldmünzen. Von großer Bedeutung ist auch das so genannte „Kultbäumchen“, ein mit Blattgold überzogener Holzstamm mit bronzenen und vergoldeten Blättern und Knospen.

Der Fokus auf römische Exponate im Kelten-Römer-Museum kommt nicht von ungefähr. Dahinter steckt der Gedanke, dass die beiden Völer einst nicht nur in Konkurrenz zueinander standen, sondern sich kulturell durchaus auch befruchtet hatten. Zu den Höhepunkten der Römer-Abteilung gehören zwei römische Militärschiffe, die um 100 nach Christus zur Patrouille und zum Geleitschutz eingesetzt worden waren. Sie wurden 1994 ausgegraben, in Mainz restauriert und konserviert und befinden sich seit Ende 2005 im ständigen Besitz des Kelten-Römer-Museums.

Museum KeltenKeller in Biebertal-Rodheim

Das im hessischen Rodheim-Bieber nahe der Universitätsstadt Gießen gelegene Museum KeltenKeller umfasst die Ausgrabungsfunde im vier Kilometer entfernt gelegenen Dünsberg. Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehören eine Glasperle, eine Bronzefibel, eine Silbermünze sowie eine Kriegertracht, die allesamt die Kelten als eine zivilisatorische Hochkultur auszeichnen.

Keltische Ausstellungen in archäologischen und historischen Museen Europas

Neben den Museen, die das Gewicht auf Geschichte und Lebenswelt der Kelten legen, gibt es in Europa etliche weitere Museen, in denen dem Volk und seinen vielen Stämmen im Rahmen übergeordneter Schauen das eine oder andere Kapitel eingeräumt wird. Das British Museum in London zum Beispiel veranstaltete von 2015 bis 2016 in seinen Räumlichkeiten eine große Sonderausstellung, deren Fundstücke aus mehr als 2000 Jahren Keltengeschichte das Volk in einem neuen Licht zeigen wollte.

Auch andere kulturgeschichtliche und archäologische Museen in Europa widmen sich am Rande gerne mit den Kelten und ihren Hinterlassenschaften. So wie das Archäologische Museum im polnischen Krakau (Muzeum Archeologiczne w Krakowie), das keltische Kleidung aus dem dritten Jahrhundert vor Christus im Beitz hat. Oder das Historische Museum in d'Angoulême in Frankreich (Musée d'Angoulême), in dem sich der berühmte Casque d'Agris, ein handwerklich meisterhaft ausgeführter keltischer Helm aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Funde aus der Zeit der Kelten finden sich auch im Musée de Bretagne in Rennes, Frankreich, darunter die Statue eines keltischen Kriegers aus dem ersten Jahrhundert vor Christus.

Exponate wie diese zeigen, dass Kulturen wie die alten Römer im Unrecht waren, als sie die Kelten als primitives Volk betrachtet hatten. Sie sind vielmehr Zeugnisse einer hochentwickelten Kultur, deren technischen, handwerklichen und künstlerischen Errungenschaften sich mit denen der Römer und Griechen durchaus messen konnten. Dass sie dieser noch immer nicht überwundenen Auffassung entgegenwirken, dafür gebührt den Museen, die sich um keltische Ausstellungen kümmern, mehr als Respekt.