Latène-Kultur

Die keltische Latène-Kultur

Die Latène-Kultur ist eine, nach dem Ort La Tène in der Schweiz benannte Epoche, welche in der jüngeren Eisenzeit (500 bis 15 vor Christus) angesiedelt ist. Das heute bekannte Wissen über die diese Kultur stammt aus zwei verschiedenen Quellen. Zum einen spielen archäologische Funde eine wichtige Rolle und zum anderen schriftliche Quellen. In den schriftlichen Quellen ist zumeist von Kelten oder Galliern die Rede, welche heute als Träger dieser Kulturepoche gesehen werden. Da diese Schilderungen oft subjektiv und persönlich sind, können sie zum Großteil nicht als objektive Berichterstattung gesehen werden.

Die Latènezeit wird in eine Früh-, Mittel- und Spätphase unterteilt, wobei die Frühlatène von 480 bis 260 vor Christus, die Mittellatène von 260 bis 120 vor Christus und die Spätlatène von 120 bis 15 vor Christus reicht. Vorausgegangen ist der keltischen Kultur, welche sich in Südwestdeutschland und Ostfrankreich entwickelte, die Hallstattkultur. Die gesamten archäologischen Funde der Kelten werden der Latène-Kultur zugeordnet. Sie stellen außerdem das älteste Volk dar, welches namentlich bekannt ist. Beeinflusst wurde die Kultur der Latènezeit durch die verschiedenen Hochkulturen des Mittelmeerraums (Römer, Griechen und Etrusker). Besonders für die Latènezeit sind Armringe aus Glas, Fingerringe und Ringperlen. Auch die Metall Be- und Verarbeitung hatte einen sehr hohen Stellenwert.

Ausbreitung der Latène-Kultur

Infolge von Handelsbeziehungen, Kriegszügen und Wanderungen des keltischen Volkes wurde die Latène-Kultur im europäischen Raum verbreitet. Erstmalig kamen zu diesem Zeitpunkt Töpferscheiben in Mitteleuropa in Verwendung. Das heißt, die Zivilisation der damaligen Zeit kann als hoch entwickelt bezeichnet werden. So gab es zum Beispiel nach antikem Vorbild stadtähnliche, befestigte Siedlungen mit strenger Gliederung, einem Zentrum für Handwerker und ein Viertel für die Oberschicht. So wurde eine bedeutende Stadt mit dem Namen "Menosgada" vom griechischen Geografen Claudius Ptolemäus schriftlich erwähnt. Menosgada war mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Staffelberg nahe Bad Staffelstein in Deutschland angesiedelt.

Die Kultur der Latènezeit zeichnet sich durch die Verschmelzung von Bestandteilen der griechischen, etruskischen und osteuropäischen Kultur aus, welche sich, ergänzt durch die rustikalen Traditionen der Hallstattkultur, zu einem neuen Stil entwickelte.

Keltische Handwerkskunst

Die Handwerkskunst befand sich auf einem sehr hohen Niveau. Schmiedekunst, Bronzeguß und die Bearbeitung von Edelmetallen wurden meisterlich ausgeführt. Besonders bekannt waren die Eisenschmiede der Kelten, welche vor allem Waffen herstellten. So kann man nahezu die gesamte Ausrüstung der römischen Heeresbesatzung auf keltischen Ursprung zurückschließen. Auch die Glasbearbeitung war zu dieser Zeit sehr beliebt. Besonders bemerkenswert ist aber, dass die Kelten die erste vorgeschichtliche Kultur vorweisen, in welche Münzprägung betrieben wurde. Jedoch fand das Münzwesen erst gegen Ende der Latènezeit im Handel Verwendung.

Besonderheiten der Latène-Kultur

Ein weiteres Merkmal dieser Epoche sind die sogenannten "Oppida" (Plural für "Oppidum"), was so viel wie "befestigte Stadt" bedeutet. Dieser Begriff wurde von Gaius Julius Caesar schriftlich in seinem Werk "Der Gallische Krieg" erwähnt.

Von Hallein und Hallstatt ausgehend verbreitete sich die Kultur durch Handelsverbindungen um das Jahr 450 vor Christus. Die ersten Zentren entstanden im Wiener Becken, im Traisental und im Norden Burgenlands. Ansiedlungen fanden in kleinen Gruppen vor allem an Flussläufen statt. Die klimatischen Bedingungen zu dieser Zeit waren verantwortlich für eine Verbesserung der Erträge in der Landwirtschaft. Im österreichischen Raume wurden auch etliche beachtliche Funde gemacht, die der Latènezeit zugeordnet werden konnten. Zu den bekanntesten gehören ein Halsreifen von der Maschlalm (Rauris), die Situla von Kuffern und eine Schnabelkanne (Bad Dürrnberg).

Schnabelkannen sind eine Leitform der keltischen Latène-Kultur. Es handelt sich dabei um Gefäße langen, schnabelartigen Mündungen. Meistens wurden diese Schnabelkannen aus Bronze hergestellt und waren oft künstlerisch mit sogenannten Appliken am Henkelansatz verziert. Zu dieser Zeit löste auch die Brandbestattung die Körperbestattung ab. An den Gräbern konnten Archäologen deutlich soziale Zugehörigkeiten anhand von Grabbeigaben feststellen. Für betuchte und vornehme Personen wurden Grabkammern aus Holz angelegt. Des Weiteren waren Grabbeigaben wie zum Beispiel Waffen und Schmuck ein bedeutender Bestandteil der Kultur.

Frühlatène (480 bis 260 vor Christus)

Die Hunsrück-Eifel-Kultur war die erste Kultur in Deutschland mit keltischen Einflüssen. Während dieser Zeit ging man langsam dazu über Bestattung in Flachgräbern, statt in Hügelgräbern zu vollziehen. Die verschiedenen Phasen der keltischen Latène-Kultur lassen sich gut anhand der Gestaltung von sogenannten Fibeln bestimmen. Fibeln sind Gewandnadeln, um Umhänge und Mäntel zusammenzuhalten. Als Grabbeigaben sind zu dieser Zeit Fibeln in Form von Tierköpfen und Masken, aber auch Ringe für Hals, Füße und Arme typisch. Die in der Einleitung erwähnten Schnabelkannen waren die Leitform für die Frühlatène. Laut Funden wurden diese nördlich als auch südlich der Alpen verwendet.

Mittellatène (260 bis 120 vor Christus)

Bestimmt wird der Zeitraum der mittleren Latène durch eine Abnahme der Fürstensitze und die weniger pompöse Bestattung der reichen Bevölkerungsschicht. Die Verbrennung von Leichen nimmt hingegen zu. Ebenso gewinnen Objekte und Schmuck aus Glas vermehrt an Bedeutung. Anfangs war dieser aufwendig und prachtvoll ausgeführt, wurde mit der Zeit aber immer einfacher und schlichter. Zudem waren die in der Einleitung erwähnten Oppida, welche zu dieser Zeit erstmals entstanden sind, charakteristisch für die Mittellatène.

Spätlatène (120 bis 15 vor Christus)

Die Spätlatène beginnt mit der Nauheimer-Fibel und einem bestimmten Helmtyp, welcher zu dieser Zeit typisch war. Flachgräber spielen bei der Bestattung weiterhin eine große Rolle. Oppida sind nach wie vor die wichtigste Siedlungsform. Aufgrund hier sehr guten Befestigung und ihrer Größe werden sie als protourban eingestuft. Im nordalpinen Bereich existierten zudem sogenannte Viereckschanzen. Dabei handelt es sich um viereckige, rechtwinkelige Anlagen. Ihre genaue Bedeutung ist noch nicht restlos geklärt. Es wird jedoch vermutet, dass manche Viereckschanzen den Mittelpunkt von ländlichen, keltischen Siedlungen darstellten.

Julius Caesars "Gallischer Krieg"

"Der Gallische Krieg" von Julius Caesars liefert interessant Einblicke in die Gesellschaftsstrukturen der keltischen Latène-Kultur. Jedoch muss bedacht werden, dass das Buch aus Eigeninteresse Caesars heraus entstand und dadurch aus historischer Sicht mit Vorsicht zu genießen ist. Caesar beschreibt in den Büchern seine Feldzüge. Insgesamt besteht das Werk aus acht Büchern, wobei das letzte nicht von Julius Caesar persönlich verfasst wurde. Hinsichtlich der Kelten werden drei Gruppen beschrieben: „Ritter“, Druiden und die restliche Bevölkerung (welche die Mehrheit darstellte). Der überwiegende Teil der Bevölkerung wurde sklavenähnlich behandelt. Funde von Fußketten bekräftigen die Aussagen Caesars. Es gab aber auch Adelige mit Gefolgschaft, die als Anführer auftraten. Als Lehrer, Richter und Priester fungierten die Druiden. Außerdem beschreibt er das Volk als tapfer und hart.

Ende der keltischen Kultur

Die Eroberung Galliens durch Gaius Julius Caesar leitete das Ende der Latènezeit ein. Der Alpenfeldzug durch Kaiser Augustus im Jahre 15 vor Christus versetzte der keltischen Kultur schließlich den Todesstoß. In romanisierter Form lebte das Keltentum jedoch noch eine Zeit lang fort.